Vera Kattler
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![]() Vera Kattler, ohne Titel, 2009, Öl auf Leinwand, 24 cm x 30 cm weitere Bilder 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 |
| 1965 | geboren in Wadgassen / Saar |
| 1999 - 2005 | Studium der Freien Kunst an der Hochschule der bildenden Künste Saar bei Prof. Bodo Baumgarten und Prof. Daniel Hausig |
| 2005 | Diplom (mit Auszeichnung) bei Prof. Daniel Hausig im Fachbereich Mixed Media/Malerei Meisterschülerin von Prof. Daniel Hausig |
Vertrauenswürdig begleitet einen die gewohnte Welt als Sinnkreis,
in dem nichts über sich hinwegtäuscht, nichts zum Gegenstand einer
Befragung wird - ein Nebeneinander. Wird jener Sache jedoch die
Vertrauenswürdigkeit entzogen, so beunruhigt uns das. Nun muss man Fragen stellen
- an ein Gegenüber. Woraus besteht es? Wie kann man es vereinnahmen?
In vielen Bildern von Vera Kattler ergibt sich die Antwort nicht ohne weiteres.
Mit Pinsel, Spachtel und Fingern werden Tierkörper aus Farbe zusammengesetzt.
Die Bestandteile der Reliefs aus pastosem Farbenteig ermischen sich erst in
der Betrachtung. Das Tun der Künstlerin erbringt eine neue Zoologie. Diese Wesen
stehen der Betrachtung entgegen. Ihre bildnerische Form bleibt unsicher,
erübrigt sich nicht im Symbol, verweist uns auf das bildnerische Tun.
Das bildnerische Tun entfremdet uns vom Gewohnten. Das bildnerische Tun lässt uns
Dinge anders sehen. Das bildnerische Tun besteht in der Ordnung von Farbe und Form
mittels Komposition, Disposition, Helldunkelverteilung, Räumlichkeit, Körperlichkeit.
Dem ersten Blick geht es um erkennbare Figuren, um Tiere. Dem näheren Hinsehen
aber geht es um die Setzung bildnerischer Sachverhalte, um das Malen selbst.
Die Reihe der Tierbilder lässt den Betrachter anthropomorphe Charakterisierungen
der Gestalt vornehmen. Da herrschen den Betrachter die Augen eines in Gelb-
und Grüntönen gehaltenen Schafes an. Die Kopfpartie wird durch Farbkontraste
und -gewichtungen im Bild verankert. Diese Verankerung verfestigt die Konfrontation
des Betrachters mit dem Bildobjekt. Die leicht erhöhte Position der Augen,
der Beschnitt an den Bildrändern, die imposant brodelnden Farbmassen geben
der Gestalt eine monumentale Wirkung. Dabei changiert die Formgebung zwischen
Kompaktheit und räumlichem Zurücktreten, greift selten aus, sucht keine großen
Gesten, sofern man bei Tieren davon sprechen mag. Diese Kreaturen sind frei auch
von Funktion und Domestikation.
Doch diesem lebhaften Ineinander von Farben kontrastieren große schwarze Pupillen,
teilweise rund, teilweise oval, gerahmt vom Schillern einer Iris, die eine
Blickrichtung angibt, meist hin zum Betrachter. Die kleinen Formate lassen den
Betrachter herantreten. Die Bindung an den Bildgegenstand intensiviert sich.
Der Bildgegenstand aber verbleibt an seiner Position. Er bietet das Studium der
Körperoberfläche an. Diese vertrauensvolle Unbeweglichkeit, das Ausbleiben des
Fluchtreflexes, im Gegenteil: das direkte Zurückschauen - darin liegt das
Unbestimmte [...].
Werner Brück,
In: Vera Kattler, Phänomene des Anderen, Malerei,
Katalog zur Ausstellung "vis-à-vis", Sommerforum 2009, Malerei,
Stadtmuseum St. Wendel vom 28. Juni 2009 bis 16. August 2009.
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